Wasserkraft – Ein Lieferant, auf den Verlass ist

Ein Lieferant, auf den Verlass ist

Titelbild: Fischwanderhilfe Kraftwerk Ottensheim (c) VERBUND

von Firmian Fürnsinn und Emil Amon – Dieser Beitrag wird am 18.05.2022 auch in der Tageszeitung „Die Presse“ auf der Sonderseite zum Projekt „Jugend – Zeitung – Wirtschaft“ erscheinen.

Die Wasserkraft bietet das Potenzial, bei der Ablösung von fossilen Energieträgern eine wesentliche Rolle zu spielen. Sie ist eine stabile, umweltverträgliche und vor allem erneuerbare Energiequelle, die schon seit langem in Österreich etabliert ist. Doch in einigen Bereichen kommt sie an ihre Grenzen – seien es ökologische, menschengemachte oder administrative.

So stellt mangelnde Planbarkeit derzeit ein Problem beim Ausbau von Wasserkraftwerken dar. Die Lieferketten haben sich zum Teil noch nicht von den langfristigen Auswirkungen der Pandemie erholt und seit einigen Wochen verursacht der Krieg in der Ukraine zusätzliche Unsicherheiten. Es sei sehr schwer zu sagen, was ein Kraftwerk in einem Jahr kostet oder wo dann der Preis für eine Turbine steht, sagt Gerd Frik von der Verbund AG. Solche Unvorhersehbarkeiten erschweren die Planung immens.

Dennoch gibt es Grund zur Zuversicht: Es besteht noch ausreichend Potenzial zum Neubau und vor allem zum Ausbau von Wasserkraftwerken – und die damit einhergehenden Effizienzsteigerungen versprechen je nach Größe des Kraftwerks zusätzliche Energiegewinnung von etwa fünf Terawattstunden (TWh). Zur besseren Einordnung: Aktuell werden durch Wasserkraft in Österreich etwa 42 TWh erzeugt. Derzeit umfassen Projekte, an denen die Verbund AG beteiligt ist, 16 bereits gebaute Anlagen mit einem Investitionsvolumen von 1,3 Milliarden Euro. Eine wichtige Rolle bei der Evaluation, ob eines der zahlreichen geplanten Kraftwerke gebaut wird, spielen Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, technische Umsetzbarkeit, aber auch ökologische Verträglichkeit.

Kritik, die Klimaschutzorganisationen in den vergangenen Jahren gegenüber der Branche geäußert haben, bezog sich vor allem auf Kleinwasserkraftwerke. Diese seien „kaum zukunftsfähig” und würden den Gewässern deutlich mehr schaden als große Laufwasserkraftwerke. Eine Innovation der Technischen Universität München lässt da hoffen: das sogenannte Schachtkraftwerk. Es ermöglicht einen deutlich ökologischeren Ablauf, der Fischwanderungen erleichtern soll. Auch die für das Flussbett essenzielle Sedimentbewegung soll massiv erleichtert werden. All das sorgt im aktuellen Testszenario für Produktionseinbußen von lediglich 5 Prozent der bisherigen Gesamtleistung, ist aber im Gegenzug deutlich kompatibler mit den sensiblen Ökosystemen des Flusses. Es gilt also, den schwierigen Balanceakt zwischen den Vorteilen von Kleinwasserkraftwerken und der Vereinbarkeit mit der Umwelt zu schaffen.

In der öffentlichen Debatte, in den Medien spielte im vergangenen Jahr auch das Thema Blackout, ein Ausfall der Energieversorgung, eine große Rolle. Wasserkraftwerke sind in einem solchen Szenario von großer Bedeutung, denn aufgrund ihrer dezentralen Organisationen können sie im Fall der Fälle mithilfe von großen Speicherkraftwerken das Netz punktuell stützen und so dazu beitragen, dass die Stromversorgung rasch wiederhergestellt wird. Generell ist die Wasserkraft ein sehr verlässlicher Energielieferant, da sich mit ihr sehr gut planen lässt.

Auch über ein mögliches Gasembargo wurde in den vergangenen Tagen kontrovers diskutiert. Welche Rolle könnte die Wasserkraft bei der Ablösung von fossilen Brennstoffen wie Gas spielen und inwiefern kann sie dazu verhelfen, vom russischen Autokraten unabhängig zu werden? Die kurzgefasste Antwort lautet: Um sich aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sowie der sie fördernden Länder – sei es Russland, seien es arabische Staaten – zu befreien, brauche es einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien, sagt Verbund-Vorstandsmitglied und COO (Chief Operating Officer) Achim Kaspar. Die administrativen Hürden für den Ausbau der erneuerbaren Energien müssten so abgesenkt werden, dass bei vermindertem bürokratischen Aufwand die Umwelt-Regulatorien nicht in Vergessenheit geraten.

Die Zeit zu handeln ist jetzt, und diese Zeit ist, ähnlich wie fossile Brennstoffe, begrenzt. Taten statt Worte wünscht sich auch der Experte Gerd Frik.

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