„Alpha Male“ oder Antifeminist?

Beitragsbild: (c) pexels

von Victoria Monihart

Andrew Tate ist der wohl am meisten diskutierte Mann im Internet. Mit Ausschnitten aus Podcasts und Interviews, in denen er meist Aussagen tätigt wie “One of the best things about being a man is being territorial and being able to say ‘that is mine.’” oder “I think that women belong to man.” erhöhte er in kurzer Zeit seinen Bekanntheitsgrad. Die Videos, in denen er sich meist mit Sonnenbrille und Zigarre zeigt, haben Millionen Klicks und trotz seiner diskriminierenden Meinungen, meist gegenüber Frauen, wird Andrew Tate von einer Vielzahl an jungen Männern gefeiert.

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass ihm eine Plattform für seine offensichtlich antifeministischen und rassistischen Meinungen gegeben wird? In seinen jungen Lebensjahren war Andrew Tate Profikickboxer und gewann einige Titel. Danach nahm er an der Reality-Show „Promi Big Brother“ teil, die er aber nach nur 5 Tagen verlassen musste, da ein Video im Netz auftauchte, wie er eine Frau brutalst attackierte. Nach seinem TV-Flop widmete er sich dem Aufbau von Casinos in Rumänien und gründete sein eigenes Web-Cam-Unternehmen mit pornographischen Inhalten. Doch seine wohl bekannteste Einkommensquelle ist das Online-Coaching. Auf der Plattform „The Real World“ bietet Tate kostenpflichtige Kurse an, bei denen er den Teilnehmern, meist jungen Männern, vermitteln will, wie er bzw. sie selbst an „Geld, Reichtum, Glück, schnelle Autos und schöne Frauen“ gelangen. Hier geht es ihm vor allem darum, Männer zu motivieren viel Geld zu machen und ihre beste Version von sich selbst zu sein, was auf den ersten Blick inspirierend klingt. Also wieso sollte man sich nicht von ihm beeinflussen lassen, wenn man reich sein möchte und so schnelle Autos fahren, will wie er.

Das Problem an Andrew Tate sind weder seine Motivationspredigten noch sein Erfolg, sondern seine frauenfeindliche und antifeministische Rhetorik. Er vermittelt Männern ein falsches Bild davon, wie sie sich gegenüber Frauen verhalten zu haben. Da sich junge Menschen oft von einflussreichen Personen in der Öffentlichkeit beeinflussen lassen und sie nachahmen, kann dies im Falle von Andrew Tate fatale Folgen für das soziale Leben haben. Frauen würden als minderwertig angesehen werden und all das, wofür Frauen seit Jahren kämpfen, würde zunichte gemacht werden. Durch seine große Social Media-Präsenz kann es dazu kommen, dass das ein oder andere Video von ihm in den Feed der Jugendlichen gerät. Je öfter seine Videos angeklickt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich sein Mindset unter jungen Männern, die sich angesprochen fühlen, verbreitet. Deshalb sollte man entweder seine Aufruferzahlen so klein wie möglich halten und gar nicht erst seinen Content konsumieren, oder bestenfalls bietet man ihm keine Plattform, seine Meinungen zu äußern. Dies führt nämlich dazu, dass manchen Menschen, die sich in dieser Andrew Tate-Bubble befinden, glauben, dass es normal ist, dass Frauen zu gehorchen haben, dem Mann untergeordnet sind und die Anzahl der vergangenen Geschlechtspartner eine große Rolle spielt und den Wert der Frau definiert.

Ja, Andrew Tate ist ein erfolgreicher Unternehmer und hat schon den ein oder anderen Meilenstein in seinem Leben feiern können, trotzdem rechtfertigt dies auf gar keinen Fall den Antifeminismus, den er mit seinen Aussagen promotet. Es ist verständlich, dass sich Jugendliche oft reiche Menschen, mit schnellen Autos, großen Häusern und einem luxuriösen Lifestyle, als Vorbild nehmen. Dennoch gibt es in dieser Richtung noch einige andere Männer, welche einen ähnlichen Lebensstil leben und auch motivieren, ohne problematisch für die Gesellschaft zu sein.

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